Barbara Zach: Conocybe Filaris
Żaneta Rydzewska: eco stories
Paweł Malinowski: [title unknown]
Rafał Ryterski: Birdsongs für Ensemble und Elektronik
Conocybe filaris von Barbara Zach ist die dritte Komposition einer fortlaufenden Reihe von Werken, die von verschiedenen Pilzarten inspiriert sind. Diesmal stammt die Inspiration von einem Pilz, der völlig gewöhnlich erscheint – klein, unscheinbar, scheinbar harmlos. Und doch verbirgt sich in dieser unscheinbaren Form ein langsames und sicheres Leiden. Die Amatoxine, die er enthält, wirken geduldig und unsichtbar. Es können Tage vergehen, bevor der Körper zu reagieren beginnt – und bis dahin ist der Schaden bereits angerichtet. Leber und Nieren beginnen zu versagen.
Am Anfang sind die Symptome nicht offensichtlich. Sie sind kaum wahrnehmbar.
Dieses Werk ist eine Meditation über unsichtbare Gewalt – Schaden, der sich in Ruhe, Freundlichkeit und Vertrautheit hüllt. Es reflektiert über die Art von Schaden, die keine Spuren hinterlässt. Über stille Grausamkeit. Über giftige Worte, die mit einem Lächeln ausgesprochen werden.
Über Strukturen, die neutral, ja sogar schützend wirken, aber das Selbst von innen heraus zerfressen. Oft glauben wir nur langsam, dass uns Schaden zugefügt wird. Manchmal kommt er in Form von Stille. Manchmal in Form von Sanftheit. Aber mit der Zeit wird das Flüstern schärfer. Der Schaden vertieft sich.
Die Sanftheit verwandelt sich in Narbengewebe. Und die Folgen sind schwer zu überstehen.
Żaneta Rydzewskas eco stories ist ein vielseitiges Werk für Ensemble, Elektronik, Objekte, Video und eine Pflanzeninstallation. Die Komposition gliedert sich in fünf Abschnitte, die jeweils verschiedene Facetten des menschlichen Einflusses auf das ökologische System beleuchten: Mechanik, Driften, Urbanes Zeitalter, Recycling-Kreisläufe und CO2-basierte Atmung. Jeder Teil lädt dazu ein, die Wechselwirkungen zwischen Mensch und Umwelt aus neuen Perspektiven zu betrachten und die Rolle des Einzelnen imkomplexen Gefüge der Natur zu reflektieren.
Paweł Malinowski begann die Arbeit an [title unknown] mit derAufnahme eines kleinen Liedes. Während er das E-Piano spielte und sang, beschäftigte er sich mit fragilen, beinahe magischen Gegenständen, die für die Mehrheit kaum sichtbar sind, aber für ihn eine persönliche Bedeutung haben. In unmittelbarer Nähe seiner Wohnung in Krakau befindet sich ein Bürogebäude aus den 1960er Jahren, dessen Wand mit 1.600.000 farbigen Keramikfliesen gestaltet ist und ein abstraktes Mosaik bildet. Später stellte Malinowski fest, dass die Künstlerin Celina Styrylska-Taranczewska heute nahezu unbekannt ist. In den 1990er Jahren war das Gebäude von Abriss bedroht. Die Geschichte der Menschen, die sich für den Erhalt engagierten, wurde für Malinowski zu einer Reflexion über die Entstehung kleiner Gemeinschaften.
[title unknown] ist der Spółdzielnia Muzyczna gewidmet und wurde durch das Kreativstipendium der Stadt Krakau gefördert.
Birdsongs ist ein etwa 30‑minütiges Bühnenstück für acht Darsteller:innen, Elektronik und Video. Inspiriert von Vogelwanderungen nutzt es diese als Metapher für Anpassung und Veränderung im individuellen wie zivilisatorischen Leben. Einfluss hatten u. a. Olga Tokarczuks „Flights“, Gabor Matés „When the Body Says No“ und die Doku „The Secret Routes of Birds Migration“. Das Werk verbindet Theater, Dokumentation, Neue Musik und Elektronik und erinnert an eine performative Radiosendung. Es wurde für das Ensemble Spółdzielnia Muzyczna geschrieben und 2023 in Darmstadt uraufgeführt.
Foto © G. Mart