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Junges Podium - Uraufführung
Yeji Kim: ex pose/d für 2 Celli und Elektronik (Uraufführung)
Uraufgeführt von Nuri El Razzaz und Ida Dettenborn, Violoncello
Das Frequenz_ Festival 2026 wird mit einer neuen Kompositionder jungen Pariser Komponistin Yeji Kim eröffnet und setzt damit schon einmaleinen Akzent für das, was im Festival folgt – denn thematisch bewegt sich Kims Werk ex pose/d für zwei Violoncelli und Elektronik zwischen Verletzlichkeit, Wahrnehmung und der Beziehung zwischen Körper, Raum und Zeit. Motive der Introspektive, die sich in den Werken des diesjährigen Frequenz_Festivals immer wieder finden.
Die Künstlerin Francesca Woodman bewies mit ihren Fotos, dass Zeit und Raum nicht immer starr und festgelegt sein müssen. Sie ließ ihren Körper mit der Umgebung verschmelzen, sodass am Ende oft nur noch verschwommene Umrisse zu sehen waren. Yeji Kim greift Woodmans Ideen auf und setzt sich mit der Zerbrechlichkeit von Menschen und ihren Bewegungen im Raum auseinander.
Der Titel ex pose/d verweist auf verschiedene Ebenen: Er thematisiert zum einen das bewusste Sich-Präsentieren und Posieren, zum anderen das bloße Dasein als Objekt. Zudem bedeutet er, Verborgenes ans Licht zu bringen und sich der Kamera sowie der eigenen Verletzlichkeit offen auszusetzen.
ex pose/d überträgt die Intimität von Woodmans kleinen Fotodrucken auf den begrenzten Raum einer einzelnen Cellosaite. Wird diese Saite gespielt, verdichtet sich die ursprünglich räumliche Performance auf eine schmale Linie. Dadurch entsteht eine neuartige Klangwelt, in der der Körper der Cellistin oder des Cellisten nicht länger im Mittelpunkt steht, sondern selbst als integraler Bestandteil des Instruments erscheint. Die Balance zwischen Stabilität und Unsicherheit auf der Saite reflektiert Woodmans fotografische Experimente: Durch Unschärfe und das Spiel mit Vergänglichkeit wollte sie eine zeitlose Dimension erschaffen.
Uraufgeführt wir das Werk von zwei talentierten Mitgliedern des Bundesjugendorchesters aus Schleswig-Holstein: Nuri El Razzaz und Ida Dettenborn waren auch schon im letzten Jahr zu Gast beim Frequenz_ Festival.
Und auch die nächsten Programmpunkte werden von jungen Preisträger:innen des Landeswettbewerbs Jugend musiziert vorgetragen.
Jörg Widmann: 24 Duos für Violine und Violoncello
(21) Valse bavaroise
(13) Vier Strophen vom Heimweh
(14) Capriccio
Mit Nhat-Minh Duong, Violine und Mari Hönig, Violoncello
Anouk Kellner: Airchoir
INTERAKTIVE INSTALLATION
Ilia Viazov: Яровое поле (Jarowoje Pole)
Für präparierte Bassklarinette, Gusli und Percussion
Ilia Viazov: То, что я больше никогда не увижу (Etwas, das ich nie wieder sehen werde)
Mit Clara Wigger, Bassklarinette; Maxi Treller, Gusli; Paulina Andrzejak, Percussion
Ilia Viazovs Werk Яровое поле (Jarowoje Pole) zeichnet sich durch eine ungewöhnliche Besetzung aus. Die präparierte Bassklarinette und Percussion werden durch ein Zupfinstrument ergänzt, das insbesondere in der russischen Folklore verwendet wird: die Gusli. Der russische Titel führt uns in ein sommerliches Getreidefeld. Was hier schon an Wehmut anklingt wird in То, что я больше никогда не увижу (Etwas, das ich nie wieder sehen werde) weitergeführt …
(KulturForum, Saal)
Alexandre Tcherepnine: Sonate Nr. 1 op. 22
(1) Allegro commodo
Mit Alina Han, Klavier
George Crumb: A Prophecy of Nostradamus
Mit Charlotte Hennemann, Klavier
Karen Tanaka: Crystalline 2 Lontano
Mit Lily Merja Stieper, Klavier
André Jolivet (1905-1974): Chant de Linos
Mit Carlotta Dewald, Flöte (ISMA Preisträgerin 2025); Garam Park, Klavier
Melod(isch)ramatisch geht es an diesem Abend weiter: Ein Chant de Linos, ist eine Totenklage aus der griechischen Antike. Wie in der Antike handelt auch André Jolivets gleichnamiges Stück (1944) von Linos, dem Sohn des Apollo. Linos war ein guter Musiker, lehrte Orpheus die Leier und wurde von Herakles getötet, weil er ihn zu sehr kritisiert hatte. Jolivets Stück ist ziemlich schwierig auszuführen und eignet sich deshalb ideal als Wettbewerbsbeitrag, wie Carlotta Dewald als ISMA-Preisträgerin bewiesen hat.