Werke von Petra Strahovnik und AnA Maria Rodriguez / Juan Felipe Waller
Mit dem Ensemble KNM Berlin
Rebecca Lenton, Flöte | Theo Nabicht, Kontrabassklarinette | Theodore Flindell, Violine | Kirstin Maria Pientka, Viola | Cosima Gerhardt, Violoncello | Jonathan Heilbron, Kontrabass
KONZERT
Ca. 90 Minuten
Ausgehend von Morton Feldmans Spätwerk Crippled Symmetry erkundet die internationale Reihe des Ensemble KNM Berlin die Konzepte von Wiederholung, Variation und Erneuerung aus vielfältigen kulturellen Sichtweisen. Was bedeutet dieses Paar aus „Repetition und Renewal“ für Komponist:innen heute, mit ihren je eigenen Traditionen, Erfahrungen und Ausdrucksweisen?
Die beteiligten Künstler:innen entfalten in ihren Arbeiten, wie re.petition, re.setting und re.cycling Klang, Raum und Ritual prägen können. Sie zeigen, wie sich aus scheinbar vertrauten Materialien, Gesten oder Mustern neue Perspektiven und sinnliche Erfahrungen entwickeln – eine Einladung, die Zyklen des Hörens, Sehens und Bewegens aufmerksam wahrzunehmen.
für Ensemble
Petra Strahovnik leidet seit der Pandemie an Long Covid und musste neu lernen, wie man leben und atmen kann. Ihre Komposition basiert auf dieser sehr persönlichen Erfahrung eines Neuanfangs. Um zurückzufinden, studierte sie Heilmethoden aus aller Welt.
Re/Set ist inspiriert von der Verbindung zwischen modernen Traumata, wie sie Gabor Maté beschreibt, und der kollektiven Weisheit alter und zeitgenössischer Praktiken. Das Stück greift Ideen aus dem Buch Breath sowie Traditionen wie Yoga Nidra, Vipassana, Visualisierung und Mantras auf und erforscht die tiefe Verbindung von Körper und Geist. Diese Praktiken sind ein kollektiver Schatz, der über Generationen weitergegeben wurde und Werkzeuge für Erdung, Heilung und Reflexion bietet.
Die Komposition arbeitet mit re.cycling und re.thinking, indem fragmentiertes Material zu einer zusammenhängenden, sich entwickelnden Erzählung geformt wird. Atemähnliche Phrasierungen, wiederholende Strukturen und rituelle Gesten schaffen einen Raum, in dem Darsteller*innen und Publikum gemeinsam Introspektion und Verbundenheit erfahren. Die Komposition macht die Universalität dieser Praktiken erfahrbar und reflektiert zugleich ihre Fähigkeit, Trennung und Trauma des modernen Lebens zu bewältigen.
Ziel ist eine meditative, immersive Erfahrung, in der Klang, Stille und Raum zu einem Ritual verschmelzen – eine abstrakte, dennoch greifbare Verbindung zwischen der Weisheit der Vergangenheit und den Herausforderungen der Gegenwart.
für zwei Performer:innen, Elektronik und Videoprojektion
AnA Maria Rodriguez, Komposition/Live-Elektronik/Performance
Juan Felipe Waller, Komposition/Analog-Elektronik-Motoren/Performance
Thomas Bruns, Videoprojektion
Das Werk ist eine Hommage an die Cartoneros, die während der Finanzkrise 2001/2002 in Argentinien durch das Sammeln und Wiederverwerten von Müll überlebten und dabei das urbane Stadtbild nachhaltig prägten. Rodriguez und Waller widmen sich in ihrer dreidimensionalen Klanginstallation dem Zyklischen aus der Perspektive des Upcyclings. Sie recyceln den Klang von Plastikschläuchen, defekten Instrumenten, Elektronikschrott, Ventilatoren, Verpackungen und Fastfood-Zubehör und verwandeln scheinbar banale Alltagsobjekte in expressive Klangquellen.
Alle Materialien stammen aus dem Müll und bleiben bewusst in ihrer ursprünglichen Form erhalten, wodurch ihre ästhetischen, klanglichen und symbolischen Potenziale hörbar werden. Die Künstler erforschen, wie Objekte, die einst für den Gebrauch oder Konsum gedacht waren, in einem neuen Kontext eine eigene poetische und musikalische Sprache entwickeln können. Ein gefundenes Objekt, wie etwa ein Ventilator, wird dabei zum visuellen und akustischen Symbol für zyklische Prozesse – Wiederholung, Rotation, Kreislauf und Transformation – und verweist zugleich auf die unaufhörlichen Zyklen von Konsum, Verschleiß und Erneuerung in unserer Welt.
In ihrer Arbeit verbinden Rodriguez und Waller soziale Erinnerung, Materialästhetik und musikalische Improvisation: Die Klanginstallation lädt das Publikum ein, die Schönheit in scheinbarem Abfall zu entdecken und das Potenzial von Wiederverwertung als künstlerisches, klangliches und metaphorisches Prinzip zu erleben. Das Werk wird so zu einem Raum, in dem Geschichte, Alltag und künstlerische Imagination miteinander verschmelzen.
Crippled Symmetries ist ein Projekt des Ensemble KNM Berlin in Kooperation mit dem Busan International Contemporary Music Festival, dem Fachbereich Musikwissenschaft der Freien Universität Berlin, dem Frequenz_Festival Kiel, dem Goethe-Institut Lima, der Alternativen Bühne der Griechischen Nationaloper, dem Kultur Büro Elisabeth, MaerzMusik / Berliner Festspiele und Studio Acht Taipei.
Gefördert durch die Kulturstiftung des Bundes. Gefördert von dem Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien. Mit freundlicher Unterstützung der Berliner Senatsverwaltung für Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt.
Foto © Peer Kugler